Wer kennt das nicht? Man ist zu einem Geschäftstermin verabredet. Die Tür geht auf und der erwartete Gesprächspartner kommt rein. Es dauert keine Sekunde, der erste Blickkontakt ist ausgetauscht und man denkt: “Wie sieht der denn aus! Kravatte zu lang, Hose zu kurz – einfach daneben.” Heute spreche ich mit Frau Marianne Krschak-Herschung, die als Stylistin Männer und Frauen dabei unterstützt, damit den Ratsuchenden solche Situationen erspart bleiben und sie mit dem perfekten Business Outfit durch die Tür kommen.
Zur Person: Marianne Krschak-Herschung wohnt
in Bad Honnef, ist verheiratet und hat über viele Jahre zwei mittlerweile junge Männer erfolgreich großgezogen.
Nach Ihrer Ausbildung zur Farb- und Stilberaterin arbeitet sie seit 2016 als selbständige Stylistin in ihrer eigenen Firma „malwasneues“ und hält Vorträge rund um das Thema Stil und Aussehen.
Dr. Jörg Wittenberg:
In der Novelle „Kleider machen Leute“ erzählt der Schweizer Dichter Gottfried Keller die Geschichte eines armen Schneidergesellen, der gut kleidet und als vermeintlicher Graf dann Ruhm und Anerkennung erfährt. Diese Geschichte stammt aus dem 19. Jahrhundert. Hat das aus dieser vergangenen Zeit stammende Sprichwort „Kleider machen Leute“ Ihrer Auffassung nach auch heute, in unserer digitalen und aufgeklärten Welt noch seine Berechtigung?
Frau Krschak-Herschung:
Absolut. Durch unsere Kleidung vermitteln wir unserer Umwelt wie wir ticken. Sie ist DAS Mittel, um zu zeigen, wer wir sind und wie wir wahrgenommen werden wollen. Unsere Kleidung vermittelt Zugehörigkeit, und mit ihr verleihen wir auch bestimmten Situationen die Würde. Denken Sie z.B. an eine schöne Feier, wie eine Hochzeit, ein liebevoll und lange geplantes Fest, aber auch an eine Beerdigung oder den Schulabschluss der eigenen Kinder. Wer unpassend oder einer Situation nicht „würdig“ gekleidet ist, vermittelt nicht nur den Eindruck von Rebellion und Gedankenlosigkeit, sondern demonstriert auch eine, ich nenne es mal „Nicht-Wertschätzung“ seines Gegenübers.
Dr. Jörg Wittenberg:
Wie lässt sich dann erklären, dass selbst auf Vorstandsetagen der Schlips zunehmend verpönt und der Rollkragenpullover von Apple Gründer Steve Jobs als neues Statussymbol Einzug gehalten hat?
Frau Krschak-Herschung:
Steve Jobs wollte aus der Reihe tanzen, mit seinem Produkt und seinem Image. Sein Auftreten war daher konsequenterweise auch anders, in gewisser Weise revolutionär. Er war stilvoll, gerade ohne Krawatte.
Auf den von Ihnen angesprochenen Vorstandsebenen wird überwiegend immer noch die Krawatte getragen. Der Dress-down Friday, eine Erscheinung aus den USA, weicht und da gebe ich Ihnen Recht, diese strenge Regel durchaus auf. Wobei längst nicht alle Firmen auf diesen Zug aufspringen. In jungen Start-up Unternehmen gelten aber tatsächlich mittlerweile die Schlipsträger als rückständig.
Dr. Jörg Wittenberg:
Die neuen Freiheiten bei der Wahl des Business Outfits machen es vielen Berufstätigen nicht gerade einfacher die richtige Wahl zu treffen. Worauf kommt es nach Ihrer Einschätzung hier besonders an?
Frau Krschak-Herschung:
Die Freiheiten nicht überzustrapazieren. Denn das kann auch schnell ausufern und dem Image eines Unternehmens schaden, besonders dann, wenn es sich nach außen präsentieren muss und man Kundenkontakt hat. Es ist wichtig die unterschwelligen, optischen Reize zu beachten, die wichtigen ersten Sekunden sind entscheidend und verleiten Menschen dazu, an Meinungen festzuhalten, die nur sie nur schwer wieder revidierten. Das kann fatale Folgen haben.
Dr. Jörg Wittenberg:
Haben es nach Ihrer Erfahrung eigentlich Männer einfacher als Frauen das passende Business Outfit zu wählen?
Frau Krschak-Herschung:
Nicht unbedingt. Es gibt Regeln, die beherzigt werden sollten, gerne mit kleinen Abweichungen. Den Männern stehen nicht so viele Stilhilfsmittel zur Verfügung wie uns Frauen. Und übertreiben es die Männer, sind sie schnell die schrägen, bunten Vögel, die keiner ernst nimmt, es sei denn, sie arbeiten in einer passenden Branche. Dann beweisen sie mit ihrem Outfit ihre Kreativität, die sie sogar in ihrer Karriere weiterbringen kann.
Dr. Jörg Wittenberg:
Was sind Ihre persönlichen TOP 3 an Fettnäpfen, in die Berufstätige stolpern können, wenn Sie im wahrsten Sinne des Wortes im Kleiderschrank danebengreifen?
Frau Krschak-Herschung:
Das ist bei Männern ganz klar die falsche Krawatte, die nicht mit dem Rest korrespondiert oder mit „lächerlichen Dekoren“ versehen ist. Das sind die schrillen Socken, ein abgetragenes oder schmutziges Schuhwerk und ein fehlender Gürtel. So etwas geht gar nicht.
Bei den Frauen sind es zu kurz geratene oder zu enge Röcke oder Kleider, die die Unterwäsche abzeichnen, strumpflose Beine in zu hohen Schuhen und Oberteile, die mehr Einblicke zulassen, als am Arbeitsplatz angemessen wäre.
Dr. Jörg Wittenberg:
Nur noch jeder 7 Beschäftigte muss heute eine Uniform an seinem Arbeitsplatz tragen. Denken Sie zum Beispiel an den Paketzusteller oder die Krankenschwester. Gleichwohl ist es nicht ganz einfach, sich aus der Masse hervorzuheben, wenn alle auf den Managementetagen im dunkelgrauen Anzug oder blauen Kostüm herumlaufen. Welche Stilmittel empfehlen Sie Ihren ratsuchenden Kunden und Kundinnen?
Frau Krschak-Herschung:
Ja, eigentlich ist das schade, denn Uniformen vermitteln vielen Menschen das Gefühl von Kompetenz und Zuverlässigkeit. Der dunkelgraue Anzug der Männer, die Uniform auf den Vorstandsebenen, kann sehr schön mit einem farbigen Einstecktuch und natürlich mit einer geschmackvollen Krawatte individualisiert werden. Statt der üblichen Streifen gibt es ihn auch mal mit kleinen, dezenten Mustern oder einem eingewebten Muster Ton in Ton. Und es muss sicherlich nicht immer nur das weiße Hemd sein. Das sind nur wenige Stilmittel, ich gebe es zu.
Bei den Frauen verhält es sich ähnlich. Da dienen die etwas ausgefallenen Pumps mit dennoch gemäßigtem Absatz und schöner Schmuck als nette Hingucker. Oder mal die anders gestylten Haare machen den Unterschied. Statt des Blazers kann sie z.B. auch mal ein edles Twinset tragen.
Dr. Jörg Wittenberg:
Nicht jeder der mit Excel-Tabellen umgehen kann und sich auf der internationalen Business-Bühne wohl fühlt, hat auch ein Händchen für die Wahl des richtigen Business Outfits. Hier kommen Sie mit Ihrem Beratungsangebot als Stylistin ins Spiel. Wie läuft so eine Beratung ab? Durchforsten Sie meinen Kleiderschrank oder kommen Sie mit zum Shopping?
Frau Krschak-Herschung:
Wenn Sie möchten beides. Aber zuerst schaue ich mir den Menschen an, ich achte auf die Färbung seiner Haut, Augen und Haare. Mit unterschiedlichen Farbtüchern schaue ich, ob eher kalte oder warme Töne passend sind. Das ist entscheidend, denn falsche Farben lassen ein Gesicht schnell älter und fahler erscheinen. Dementsprechend entscheidet sich dann, aus welcher Farbgruppe der Anzug oder das Kostüm, Hemd, Bluse oder Top etc. gewählt werden sollen. Auch die Proportionen sind wichtig und entscheiden über die Form und das Material unter Berücksichtigung der jeweiligen Jahreszeit. Auch die Stellung in der Firmenhierarchie entscheidet, wie das Outfit gestaltet sein soll. Denn Kleider machen eben Leute…
Dr. Jörg Wittenberg
Vielen Dank Frau Krschak-Herschung für diesen Ausflug in die Welt der Business Etikette. Ich bin jetzt überzeugter denn je, dass der erste Eindruck zählt und die Wahl des passendes Business Outfits gut überlegt sein will.
Kontaktdaten des Interviewpartners:
| Der Wegberater |
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| Dr. Jörg Wittenberg |
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| Managementberater |
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| Im Zollhafen 24 |
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| 50678 Köln |
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| www.Der-Wegberater.de |
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Politiker, Prominente, du und ich, wir alle benutzen sie, die Macht der Mode für das Erreichen unsere Ziele oder um uns auszudrücken. Stil ist ein offensichtlicher Trick, den jeder benutzt, wenn er denn weiß, wie es geht. Mode ist stoffgewordene Soziologie, sie kann auf Hirarchien und Beziehungen verweisen und befolgt gewisse Regeln. So gesehen sind heute – machen sie ihren Job stilsicher richtig – die Stylisten der Stars und Politiker wahre Machtfaktoren. Dafür das Mode als Mittel zur Macht und Diplomatie eingesetzt wird, finden sich zahlreiche Beispiele. Wenn Michelle Obama etwa zu einem Staatsbankett mit dem koreanischen Präsidenten eingeladen war, suchte sie sich in New York eine aus Korea stammende Designerin. Immer schon gab es in der Politik starke Frauen, die Mode und Stil bewußt einsetzten; Indira Ghandi in ihren Saris oder Margret Thatcher mit ihrem steif gesprayten Haarhelm und ihren Kostümen. Aber auch schillernde Politpromis wie Carla Bruni-Sarkozy oder Julija Timoschenko zogen immer wieder bewunderte Bicke auf sich wegen ihrer gekonnten und stilsicheren Garderobe.
Natürlich gilt das gleiche Prinzip auch für Männer. Barak Obama war zweifelsohne der bestgekleidetste Präsident der Vereinigten Staaten ever. Seine Lässigkeit und seine Stilsicherheit waren bewundernswert. Egal was er trug, er wirkte immer passend und elegant gekleidet.
Als Negativbeispiel machte Gerhard Schröder damals als „Kanzler in Kaschmir“ übel von sich reden. Die von ihm getragenen Brioni-Anzüge und Zigarren duldete man seinerzeit bei Bankern der Wall Street aber nicht bei einem deutschen Sozialdemokraten. Sein Auftregten war eitel und wenig vertrauenswürdig.
Mode kann ein understatement sein oder die Vorspiegelung falscher Tatsachen.
Eins ist dennoch klar, Mode ist oberflächlich aber auch zugleich stark aufgeladen mit Symbolen, die immer eine Geschichte erzählen.
Heute morgen, als ich mich für den Tag fertig gemacht habe, merkte ich plötzlich: Ich bin ganz schön nervös. Verschiedene Fragen gingen mir durch den Kopf: Was ziehe ich nur an? Ist das nicht zu auffällig? Make Up, ja klar, aber passt das überhaupt zu mir, wie ich mich immer schminke? Alles Fragen, die mir im Zusammenhang mit Vorstellungsgesprächen bekannt sind. Dabei habe ich heute gar kein Vorstellungsgespräch, aber ich bin verabredet mit Marianne Krschak-Herschung. Frau Krschak-Herschung ist Farb- und Stilberaterin und hilft Menschen, ihren eigenen Stil zu finden, einen Stil, der ihre Persönlichkeit je nach Anlass optimal zur Geltung kommen lässt.Auf die Idee, mal eine Farb- und Stilberaterin zu interviewen bin ich schon vor längerer Zeit gekommen, denn die Frage nach dem passenden Outfit für das Vorstellungsgespräch beschäftigt fast alle Bewerber und ist daher auch häufig Thema in meinen Coachings.Ich warte also heute morgen in meinem Bonner Lieblingscafé in der Sonne und da erkenne ich sie auch schon von Weitem. Das muss sie einfach sein, denke ich mir, so toll wie diese Frau aussieht. Alles an ihr wirkt total stimmig obwohl sie einfach nur ein Kleid anhat, aber das passt einfach perfekt zu ihr. Wir sind uns vom ersten Moment an sympathisch und wechseln schnell ins „du“ über als wir anfangen uns über das passende Outfit für Bewerbungsgespräche zu unterhalten.
Als Farb- und Stilberaterin berätst du u.a. Menschen zu ihrem Outfit für Vorstellungsgespräche. Worauf schaust du dabei im Einzelnen?
„Als erstes schauen wir uns an, in welcher Branche sich mein Kunde bewerben will. Ist es eher eine konservative Branche wie Banken oder Versicherungen, dann sollte die Kleiderwahl eher dezent sein. Bei einer Bewerbung in einer eher kreativen Branche oder einem modernen Unternehmen, kann die Kleidung etwas experimenteller ausfallen. Als zweites schauen wir uns an, für welche Hierarchiestufe sich der Klient bewirbt. Ist es eine Führungsposition oder eine Mitarbeiterfunktion? Erst wenn wir uns die Zielposition angesehen haben und wir ein Bild davon haben, was dort angemessen ist, schauen wir, wie wir die individuelle Persönlichkeit des Bewerbers in diesem Rahmen so kleiden, dass er oder sie als Person sichtbar wird. Dazu gehört dann eine Farbanalyse, in der wir schauen, welche Farben aber auch welche Materialien, welche Schnitte ganz besonders gut zu diesem Typen passen. Unsere Kleidung ist unsere Visitenkarte.“
Welche allgemeingültigen Tipps kannst du Bewerbern geben?
„Zunächst einmal ist folgendes wichtig: Die Kleidung würdigt die Situation. Ein Vorstellungsgespräch ist eine besondere Situation. Es ist ein Art Geschäftstermin, in dem ausgelotet werden soll, ob der Bewerber und das Unternehmen zusammenpassen. Im Erfolgsfall wird ein Vertrag geschlossen. Daher ist Freizeitkleidung im Bewerbungsgespräch ein NO GO! Typberatung ist sehr individuell, aber es gibt ein paar Tipps, an denen sich jeder orientieren kann. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Kleidung nicht von der Person ablenken sollte. Daher gilt immer: Weniger ist mehr. Das gilt für Schmuck, Make Up und Accessoires.
Die Kleidung sollte
- modern aber nicht modisch sein
- einfach aber nicht gewöhnlich sein
- dezent, unauffällig, echt, natürlich und angemessen sein.
Ein paar weitere allgemeingültige Tipps:
- Sei niemals schicker als dein Chef!
- Geputzte, nicht abgelaufene Schuhe (Anmerkung vom Autor: eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber aus Erfahrung kann ich sagen, dass manche Bewerber das nicht so eng sehen)
- Wenn man eine Hose mit Gürtelschlaufen trägt, dann IMMER auch einen Gürtel tragen. Am besten in der gleichen Farbe, zumindest aber aus der gleichen Farbgruppe
- Ein paar Tipps speziell für Frauen:
- Handtasche und Schuhe bitte farblich aufeinander abstimmen
- Schuhe hinten geschlossen, vorne, maximal drei Zehen sichtbar
- Wenn man einen Rock trägt ist Strumpfhose leider Pflicht– auch bei 30°
- Längere Haare ggf. hochstecken, so dass sie nicht im Gesicht hängen
- Das Make Up sollte dezent und typgerecht sein. Auch hier ist weniger mehr. Das gilt auch für das Parfüm. Nagellack auch eher natürlich halten, z.B. klar. Man sollte sehen, dass die Bewerberin gepflegt ist und Make Up trägt, jedoch sollte es nicht von ihr als Person ablenken.
- Die Absatzhöhe im Business sollte 6,5 cm nicht überschreiten.
- Beim Ausschnitt ist wichtig, dass man nicht den Brustansatz sieht.
Da waren jetzt viele Tipps für Frauen dabei. Gibt es auch ein paar Tipps speziell für die Männer?
„Jeder sollte sich bewusst machen, dass man sich in einem Vorstellungsgespräch präsentiert und es einen Unterschied zwischen Business und Freizeit gibt. Das meinte ich eben auch mit meiner Aussage: die Situation mit seiner Kleidung entsprechend zu würdigen. Daher ist das absolute Minimum bei Männern im Bewerbungsgespräch ein Sakko. Je nachdem, wo ich mich bewerbe, geht auch eine edle Jeans, also ohne Löcher zum Sakko. Bei der Krawatte kommt es ebenfalls darauf an, in welcher Branche ich mich bewerbe. In eher konservativen Bereichen gehört eine Krawatte dazu, bewerbe ich mich als kreativer Webdesigner, dann ist eine Krawatte nicht angesagt. Als Grafiker kann auch Sneakers, aber ansonsten bitte einen schlichten Business-Schuh.“
Wie finde ich heraus, was mir steht?
„Wenn man selbst unsicher ist, dann sollte man sich Unterstützung suchen. Das können beispielsweise Verkäufer und Verkäuferinnen in guten Bekleidungsgeschäften sein oder eine gute Freundin mit einem guten Geschmack. Es ist schwer allgemeingültige Tipps zu geben. Man kann nicht sagen: alle großen Frauen müssen sich so und so kleiden. Der Typ wird ganz entscheidend durch die eigene Persönlichkeit bestimmt und die ist sehr individuell. Nach der Farbanalyse nehme ich mir in meiner Beratung daher immer sehr viel Zeit für ein Gespräch mit dem Kunden, um herauszufinden, was er oder sie für eine Persönlichkeit ist, denn diese gilt es ja nach Außen zu tragen und mit der Kleidung zu unterstützen“.
Wenn ich dann einen Job habe, was gibt es dann zu beachten in Bezug auf die Kleidung?
„Zunächst einmal richtet sich die Kleidung danach, ob ich Kundenkontakt habe oder nicht. Wenn ich Kundenkontakt habe, dann muss die Kleidung formeller sein. Auch hier gilt wieder: Die Situation mit der Kleidung würdigen. Ein Kunde möchte Geld bei dir lassen. Das solltest du mit deiner Kleidung dementsprechend würdigen. Grundsätzlich kann man sich immer erst einmal an den Kollegen orientieren. Die sind schon länger dabei und kennen die Gepflogenheiten. Nach einer gewissen Zeit kann man dem eigenen Stil mehr Raum in dem vorgegebenen Rahmen geben. Eine gute Frage ist auch immer: Unterstützt meine Kleidung das Image, das ich gerne hätte?
Wo findet man dich, wenn man sich mal professionelle Unterstützung gönnen möchte, um den eigenen Stil zu finden oder zu perfektionieren?
„Online findet man mich im Netz unter www.malwasneues.net oder auf Facebook unter Mal was Neues – Farb- und Stilberatung. Da gebe ich regelmäßig Tipps und Anregungen zum Thema Kleidung und Accessoires. Für eine persönliche Beratung kommen meine Klienten zu mir nach Bad Honnef (bei Bonn) in meine eignen hellen Räume.
Super! Vielen, vielen Dank, Marianne, dass du dir die Zeit genommen hast und vielen Dank für die tollen Tipps.
Bei Verabschieden sagt Marianne dann noch zu mir: „Ein tolles Kleid hast du da an!“ Ich freue mich und wir gehen gut gelaunt unserer Wege.
Was nach dem Interview geschah
Das Gespräch mit Marianne hat mich so neugierig auf eine Typberatung bei ihr gemacht, dass ich gleich eine Beratung bei ihr gebucht habe. Besonders angesprochen hat mich die Aussicht, meine Kleidung auf 40 gut kombinierbare Stücke zu reduzieren. Alleine die Vorstellung, Ordnung in meinem Kleiderschrank zu haben, macht mir schon gute Laune und ich glaube Klamotten-Einkauf und die tägliche Auswahl werden mir dann viel leichter fallen. Ich werde euch berichten.
Silke Grotegut
Integraler Business Coach, MBA
0175 574 63 86 _ 0228 308 9482
kontakt@silkegrotegut.de
Was soll ich sagen, außer, dass es großartig war nicht zu konsumieren!
Das Bedürfnis danach entwickelte sich, als ich merkte, dass ich ohne Freude kaufte, mit dem anschließenden Wissen etwas gekauft zu haben, was ich gar nicht brauchte. Ich hatte von allem zu viel und wollte das nicht mehr.
Also begann ich zuerst damit meinen Kleiderschrank ins Visier zu nehmen. So vieles von dem was ich fand hatte ich vergessen, ich brauchte und wollte es nicht mehr. Ich trennte mich von allem was überflüssig war. Der Rest war überschaubar. Der erste Schritt war getan.
Dann kam die Überlegung, welche Kleidungsstücke brauche ich für 4 Saisons. Einige Kleidungsstücke waren für alle 4 Jahreszeiten geeignet, Jeans, Lederjacke, Jeansjacke, dunkelblauer und schwarzer Rock, 2 weiße Blusen
- 4 Shirts
- 2 Cardigans
- 2-3 Wollpullis
- 2-3 entspannte Kleider
- 1 offizielles Kleid
- 2 offizielle Hosen
- 2 Blazer
- 1 Mantel
- Schuhe, Stiefel, Chucks, Sandalen
- Strümpfe, Unterwäsche, Sportkleidung, Kleidung zum Entspannen auf dem Sofa, Accessoires und Schmuck gehörten nicht in die Liste, sie dienten der optischen Vielseitigkeit, von allem möglichst wenig, und möglichst alles miteinander kombinierbar
Voila, so sah meine Liste am Ende der Überlegungen aus. Entspannung stellte sich ein. Ich hatte alles was ich brauchte, nicht mehr und nicht weniger.
Ich schenkte mir selbst ein kleines vergoldetes Armband mit dem Zeichen der Unendlichkeit. Es sollte mir helfen, auch mal in schwachen Zeiten einem Rückfall widerstehen zu können.
Das Jahr begann und mit ihm meine Enthaltsamkeit. Es war wunderbar, Onlineshops interessierten mich nicht mehr, der Gang in die Stadt war nicht mehr geprägt von Abweichungen meines eigentlichen Vorhabens, denn ich brauchte ja nichts. Ich gewann viel mehr Zeit für andere Dinge des Lebens, meine Gedanken und Überlegungen, was wann wie anziehen, beschränkten sich nur noch auf einen Bruchteil der üblichen damit verschwendeten Zeit. Mal ganz abgesehen davon, dass ich Zeit sparte, war ich einfach zufriedener.
Ich beobachtete die anderen Frauen, mit welcher Unruhe sie die neuesten Trends verfolgten und unbedingt und ganz dringend shoppen gehen mussten. Geht ihr nur, dachte ich und der Gedanke es ihnen nicht gleich tun zu müssen, entspannte mich nur noch mehr.
Es passierte allerdings auch immer wieder, dass man mir misstraute. Die Vorstellung solange nichts zu kaufen, schien vielen Mitmenschen einfach unvorstellbar.
Hast du den Pulli neu, den habe ich noch nie an dir gesehen? Komm schon, gib´s zu, du warst shoppen. Das hörte ich öfter und ich begann damit mich zu rechtfertigen. Ich fotografierte meine gesamte Garderobe „zum Beweis“ und alles war gut.
Ich bemerkte aber noch etwas anderes, die Frauen in meinem Umfeld fingen an, mich zu beneiden. Ich hörte Erklärungen, warum dieses oder jenes Kleidungsstück gekauft werden musste. Ich hörte aber auch, großartige Idee, ich wünschte ich könnte das auch…. Ich habe auch viel zu viel Kleidung. Ich glaube, ich probiere das auch mal aus. Gemacht hat´s außer mir Keine. Und das machte mich auch etwas stolz. Würde ich sagen, mir wäre der Verzicht leichtgefallen, wäre ich nicht ehrlich.
365 Tage sind eine lange Zeit und irgendwann fingen meine Kleidungsstücke an, mich etwas zu langweilen. So kam es dann, dass einige ich nenne es „Schenkungen“ erfolgten. Ich nahm sie mit schlechtem Gewissen aber trotzdem gerne an. Allerdings musste ich sie eher etwas heimlich tragen, denn in meiner Fotogalerie vom Anfang des Jahres erschienen sie nicht.
Das Jahr verging und ich hatte – mehr oder weniger – durchgehalten. Das machte mich stolz und änderte mein Kaufverhalten nachträglich und langanhaltend.
Ich kaufe seitdem nicht mehr wahllos und ich kaufe nicht mehr billig. Ich überlege vor dem Kauf. Ich probiere aus ob das neue Kleidungsstück zu meinen anderen passt und ob es meinem Stil entspricht. Ich kaufe auch manchmal second hand weil es Sinn macht. Zara und Co. sehen mich auf jeden Fall nicht mehr.
Die Korsage… ein fast einschüchterndes Mittel der Verführung um das keine moderne Frau mehr herumkommt. Sogar an dem damals überaus männlichen Körper des Darsteller des Dr. Frank-N-Furter in „The Rocky Horror Picture Show“ Tim Curry, sah die Korsage umwerfend aus. Ein filmisches Manifest zu den Genderdebatten, das Kategorien wie hetero-, bi- und homosexuell hinter sich ließ. So wurde die Korsage bei ihrer Zeitreise von einem beengenden Wäschestück, das durch die Französische Revolution zum Zeichen der Befreiung der Frau eigentlich längst abgeschafft worden war, am Ende zum Symbol für die Auflösung der vorgegebenen Geschlechterrollen geworden.
Auf das die Reise von vorne beginne und die Korsage stets rebellisch und revolutionär bleibe…

… hat damit zu tun, dass wir zur Karnevalszeit gesellschaftlich anerkannt ausbrechen dürfen. Wir schlüpfen in unsere Träume und vollziehen damit oft unbewußt einen Rollentausch. Wir dürfen verrückt sein und aus der Rolle fallen, denn alles ist erlaubt. Wir machen uns mit unseren Masken und Kostümen zum Objekt der eigenen Begierde und sind bei Bedarf sogar annonym.
Der sonst eher Schüchterne in seinem zurückhaltenden Bürooutfit traut sich plötzlich in seinem lässigen Cowboykostüm die unbekannte Schöne anzusprechen und die sonst eher brave Hausfrau ohne weiteres den starken Cowboy. Es ist eben in diesen Tagen alles erlaubt, Ventile werden geöffnet, Träume ausgelebt und am Aschermittwoch ist dann alles vorbei…